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Uwi's NF2
15 JAHRE WISSENTLICH AN NF2 ERKRANKT
DAS NEUSTE
Einleitung
Das ich hier das so schreiben kann, verdanke ich in erster
Linie meiner Familie , meinen Freunden und nicht zuletzt meinen guten
Operateur. Natürlich mit etwas Glück dazu.
Vorwort
Man stelle sich das mal vor:
Du gehst wegen einer Durchblutungsstörung im Arm zu einer
Neurologin und verlässt die Praxis mit der Diagnose "NF2". In
Worten:"Neurofibromatose Typ2". Dabei war es wirklich die Hand, was
nicht mehr richtig klappte, dazu NUR in der kalten Jahreszeit.
Von dieser Zeit an, dem 16. Dezember 1996 führte ich Tagebuch
meiner Krankheit. Bis dahin, als ich im August 1998 das letzte mal
unters Messer kam. Was dazwischen passierte möchte ich hier, teils
sogar mit originalen Textpassagen aus meinem Tagebuch wieder geben.
Warum das? Zum einen sind es Wochen und Monate die mich prägten,
das sich bis heute das Kämpfen gegen die Krankheit lohnt.
Andersherum möchte ich Betroffenen Mut machen es gleich zutun. Und
es gibt Betroffene die auf diese Zeilen warten.
Viel Spannung liegt in den Zeilen, Freud und Leid in knapper Folge. Getreu meinem Leitspruch:
"Leben heute - was Morgen kommt weiß keiner!"
© Uwe Zufelde 15.Dezember 2007
Wie habe ich bis zum 16. Dezember 1996 gelebt und gewohnt?
9.November 1958 bis 1990
Geboren in Jena an einem Sonntag im Herbst 1958. Ich war das
vierte Kind von acht und der erste Junge in unserer Familie.
Aufgewachsen und Jugendzeit in Lützeroda bei Jena. Schon sehr
früh zur Selbständigkeit erzogen kam ich 1966 in die Schule.
1974 begann ich mit der Lehre zum Mauerer, die ich 1978 mit "3"
bestanden habe. In diese Zeit fällt auch mein erster
Krankenhausaufenthalt. Wegen "kalter rechter Hand" wurde ich von da an
auf "Muskelschwund" hin behandelt und im Winter oft krank geschrieben.
1982/83 absolvierte ich trotzdem meine Armeezeit. 1985 kam meine
Tochter Nicole zur Welt, ich zog von Lützeroda in das acht
Kilometer entfernte Apolda und gründete eine Familie. 1990 kam
neben der politischen Wende auch meine private.
Ich hatte eine gemütliche 2 Zimmerwohnung und seit 1990
Single. Meine Verwandschaft wohnte im Umkreis von ca 8 km. Mittelpunkt
war Apolda, meine Heimat seit 1985. Ich hatte ein gutes Einkommen, da
ich nach der Wende, bis auf paar Wochen durchweg in verschiedenen
Baubetrieben gearbeitet habe. Der Wechselgrund war nie meiner
Gesundheit zuzuschreiben, sondern sehr oft der betrieblichen Situation.
Die fetten Jahre auf dem Bau gingen zu Ende. Im November wurden wir ins
Schlechtwettergeld geschickt, mit der Zusicherung im Frühjahr
wieder loslegen zu können. Ich benutzte die freie Zeit um mal
wieder nach meiner rechten Hand sehen zulassen. Nach 1990 hatte ich
nämlich immer das Glück im Winter Innenarbeiten zu
verrichten. In Apolda blitzte ich schon bei der Anmeldung ab und mir
wurde eine Ärztin in Jena empfohlen. 3 Wochen Wartezeit musste ich
einkalkulieren. So wurde es Mitte Dezember.
Das
ist ein kleiner Ausschnitt aus meiner 2 Zimmerwohnung. Fast genau 14
Jahre war das in Apolda mein zu Hause. Eingerichtet unter Mithilfe
einer Wohnungsauflösung mit vielen DDR Möbeln. September 2004
trennte ich mich dann leichten Herzens von diesen, da der Zahn der Zeit
schon ganz schön daran genagt hatte. Jedoch von der Form her
wieder in Mode gekommen.
Das Gemälde "Der Dachs" von meinem Vater nahm ich natürlich
mit und der "Zufelde" hängt nun in unserer gemeinsamen Stube hier
in Bregenz.
16.Dezember 1996
Der erste Tag mit NF2
"Meine" Neurologin war ganz frisch gebacken, also mit den allerneusten
Infos über das Fach. Ich lies mich richtig checken und nicht nur
die Hand. Beim Abtasten bemerkte Sie eine Verdickung im rechten
Schulterbereich. Schmerzhafter Natur, wenn man es mit den Druck
übertreiben tut. Das alles nahm ich noch auf die leichte Schulter,
da bei gleicher Kontrolle anderer Gliedmaßenbereiche
ähnliche Symptome auftraten. Tag drauf wurde ich zu einen
Ganzkörper MRT verdonnert. Nun gab es kein entrinnen mehr. Die
Diagnose wurde fest untermauert. "Neurofibromatose Typ2" Was bedeutet,
dass nicht nur der Rumpf betroffen ist, sondern auch meine Ohren. Das
kam mir spanisch vor, da ich bis dahin weder Ohrengeräusche noch
Hörverminderung bemerkte. Wie sagt man: "Man hört das Gras
wachsen".
Erste Atempause
Ganz geschnallt hatte ich es immer noch nicht, was NF2 bedeutet und was
mir bevorsteht. Es wurde Weihnachten und mit meiner Tochter
fröhlich gefeiert. Auf das kommende "gute" Jahr angestoßen
und sich viel Glück gewünscht. Rotkäppchen floss in
Strömen und das neue Jahr begann.
Im Januar 1997 verbrachte ich 14 Tage in der Neurologie und wurde auf
meine Nerven hin untersucht. Jetzt wurde mir klar das die Ärzte
nicht ganz wussten, was sie mit mir machen sollten. Jeden Tag wurden
andere Tests unternommen, von Strom bis hin zu mechanischen
Nervenreizen. In dieser Zeit nahm ich 10 Kilo ab, da ich nach so einen
Tag immer fix und fertig war. 1 Woche durfte ich mich dann in Apolda
erholen, bevor es zur ersten OP kam.
18.Januar
Jetzt landete ich in der Bachstrasse.
Dort war die Neurochirugie untergebracht.
Es wurde eine OP am rechten Armplexus angesetzt. Der Tumor hatte ein
Größe von 14x7x3 cm. Also ein ganz schöner Wummi, wenn
auch gutartiger Natur. Leider wurde der Eingriff nicht bis zum Ende
durchgeführt und die Wunde schnell wieder geschlossen. Eine
Verbesserung wurde also nicht erzielt. Der Chefarzt, ein Professor gab
meinen Arm in den jetzigen Zustand noch 5 Jahre. Das haute mich erst
mal von den Socken.
Zweite Atempause
Richtig klar wurde ich immer noch nicht und schon die erste Kopf OP in
Planung genommen. Wie sollte das nun nach der ersten Erfahrung in der
Einrichtung werden. Meine Neurologin, war neben meiner Familie die
einzigste Hoffung. Sie besorgte mir die Adresse einer Thüringer
SHG für Neurofibromatose. Im Februar kam ich mit der Gruppe das
Erstemal in Sondershausen zusammen. Jetzt erfuhr ich, dass es bei NF
verschiedene Versionen gibt und ich mit der Zweiten auf weiter Flur
alleine.
18.Februar
Ich vertraute immer noch den Ärzten in der Saalestadt, da auf die
schnelle auch meine neuen Freunde mit der Situation überfordert
waren. Einzigst meine Neurologin zögerte, ob die OP am rechten
Hörnerv sinnvoll erscheint. Nach neusten MRT Bildern war der Tumor
schon im Begrifft in mein Kleinhirn zu drücken. Jetzt sah auch sie
keine andere Möglichkeit. 4 Stunden wurde an meinen Kopf
gearbeitet und ich erwachte in einen jämmerlichen Zustand. Rechts
ertaubt, rechte Gesichtshälfte gelähmt. Nach 10 Tagen wurde
ich zur Anschlussheilbehandlung nach Bad Liebenstein gebracht. Dort
Anfangs wie ein Schlaganfallpatient betreut bis auch der letzte
Betreuer merkte, was mit mir los ist. Ich verbrachte Ostern in der
Einrichtung und Besuche von meiner Familie wieder willkommen. Besonders
meine Mutter hatte Freude daran, dass es mir wieder den Umständen
entsprechend gut geht. Zu Arg war die Enttäuschung als sie mich
auf der Intensivstation besuchte. Aber Zufelde's sind ja
Aufstehmännchen und so kam ich bald wieder in meine eigenen 4
Wände.
Das ist das einzigste brauchbare Foto aus der Zeit zwischen meinen
beiden Hörnervoperationen. Anfangs konnte ich mich gar nicht
leiden und erwischte mich sogar bei einer Vernichtung eines Foto's.
Auch taten manche Äußerungen von Mitmenschen weh, die aber
dann nach Aufklärungen abebbten. Mit der Zeit war ich eben der Uwe
mit der schiefen Gusche geworden.
Ab Februar ´97 bis zu meinen Wegzug war ich in therapeutischer
Behandlung in einer sehr guten Praxis in Apolda. Die Tipps und
Anwendungen in Eigenregie helfen mir bis heute und ermöglichen ein
besseres Leben.
April 1997
Krankgeschrieben, erstes Abwägen wegen Rente und überhaupt,
wie es weiter gehen soll. Das waren die wichtigsten Überlegungen.
Mein Gesicht konnte ich Anfangs nicht groß Leiden, ging aber
trotzdem meinen Verpflichtungen nach und zeigte mich der
Öffentlichkeit. So lernte ich langsam meine eigenes Ich wieder im
Griff zu bekommen. Eine Sache ging mir aber nie aus dem Kopf: Mein
linkes Ohr bedarf ebenfalls einer OP, da sich dort ein weiterer Tumor
breit machte. Alle 14 Tage hatte ich einen Termin bei meiner guten
Neurologin in Jena. Neben den Krankengeldverlängern, was sie
abzeichnen musste, ging es um meinen Gemütszustand . Hier
klammerte ich mich immerhin noch an die hiesigen Ärzte und
versprach mit deren Hilfe. Einmal musste doch mal wieder Glück
haben, sagte ich mir.
Mai 1997
Dies wurde jäh im Mai bei einen Internationalen NF Seminar
durchstrichen. Erstmals mit einen NF Spezialist im Gespräch, wurde
mir NF2 im schweren Fall vorausgesagt. Folgerichtig kam dann noch die
"Absage" der bisherigen Operateure. War es die Angst, dass sie Schuld
an meiner möglichen Ertaubung wären. Jedenfalls war ich total
am Boden.
In meinem Tagebuch verzeichnete ich die damalige Verfassung so: "Mir
ist klar geworden, das ich zur Zeit noch Beschwerdefrei bin, was sich
aber urplötzlich ändern kann. Mein Leben hat Höhen und
Tiefen durchgemacht. Was zur gegenwärtigen Lage bei mir vorgeht,
kann ich nur mit meiner guten Phy.Dr.S. bereden. Danach kommt der Tod."
Sommer und Herbst
Der Sommer kam mit seinen oft schönen Tagen und das Leben nahm
seinen Lauf. Es musste ja weitergehen. Ich klammerte mich nun
vollständig an die Thüringer SHG. Nur hier konnte ich mein
Wissen über die Krankheit vertiefen. Deshalb war ich sehr oft in
Sondershausen. Es gelang uns einen genetischen Stammbaum von einer
erfahren Erfurter Ärztin erstellen zulassen.
Im Tagebuch steht:
"Meine Humangenetikerin stellte den Stammbaum der Familie in Punkto
"Neurofibromatose Typ2" auf. Sie gab an, dass ich Ersterkrankt bin.
Weder meine Mutter und meine 7 Geschwister, sowie meine Tochter haben
NF2. Bei meinen Vater (gest.1990) und meiner Oma (gest.1974) war kein
erfoschen möglich. Meine Oma hatte Hörprobleme, jedoch wohl
altersbedingt."
Einer weiteren Ärztin aus einer Erfurter Klinik stellte
ich mich ebenfalls vor und hatte Hoffung, dass Sie mir wegen meinen
linken Ohrproblem helfen könnte. Sie traute sich nicht. Lies mich
aber nicht im Regen stehen, sondern gab mir eine Adresse. Das hatte wir
doch schon einmal. Nur diesmal handelte es sich um hunderte Kilometer.
In Lübeck soll der Arzt meiner Hoffung sich befinden.
Inzwischen machte ich mir weitere Gedanken über meine
Zukunft. Hier besonders was das Hören angeht. Zwar hatte ich nun
höchstwahrscheinlich einen Arzt der mir helfen will, aber eine
gänzliche Ertaubung war nicht auszuschließen. Deshalb
bemühte ich mich einen Kurs in Gebärdensprache zu belegen. Im
September war es dann soweit und ich belegte einen Schnupperkurs an der
Jenaer Volkshochschule.
Wir forschten, unternahmen Anstrengungen um weitere
Leidensgenossen mit den Krankheitsbild NF2 zufinden. Ohne Internet und
Fax war das Anfangs recht schwierig. Trotzdem gelang es uns mit der
Münchner SHG im Kontakt zukommen und bald hatte ich mit Anne L.
und Sabine R. brieflichen Wechsel = Infos aus erster Hand.
Der erste Gesprächstermin mit Lübeck rückte in
greifbarer Nähe und mit der KK einen guten Partner an der Seite.
Im Tagebuch heißt es:"Warum soll ein Vorortkrankenhaus
günstiger sein, als wie ein KH in Lübeck? Fahren sie hin Herr
Zufelde und das Taxi genehmigen wir dazu. Viel Glück."
Und das hatte ich echt bisher mit "meiner" IKK.
Der November, genauer der 3. wurde zum Ersten Treffen mit den
Neurochirurgen Herrn Prof. Dr. Sepehrnia ausgemacht. Per Taxi von der
Apoldaer Verkehrsgesellschaft ging es Richtung Ostsee. Wir fanden
schnell die Uniklinik und bekamen 15 Minuten Gesprächszeit. Der
Herr Prof. war und ist nämlich ein leitender Chefarzt. In
Begleitung meiner Schwester Sabine, denn 3 Ohren hören mehr als
wie eins, habe ich den nun schon legendären Satz immer noch im
Ohr: "Herr Zufelde ich helfe Ihnen!" Diese fünf Worte sollten mein
weiteres Leben prägen und von diesen Augenblick auch wirklich.
Meine gute "Bine"
Meine
Schwester Sabine. Ebenfalls von einer chronischen Krankheit
gekennzeichnet und ein Ärztemarathon hinter sich, bot Sie gleich
nach meiner Diagnose Ihre Hilfe mir an. So wuchs Sabine in meine
Krankengeschichte mit und konnte als Einzigste mich verstehen. Zu
Vorsichtig waren meine anderen Familienmitglieder und sind es bis heute
geblieben. 1998 nahmen wir zB gemeinsam an einigen Semestern in
Gebärdensprachlehrgängen teil. Sabine war auch die Erste in
der Familie, die dann diese Zeichensprache angewendet hat.
Nunmehr "mein" Professor gab mir für die sehr dringliche,
jedoch auch höchstmöglichste einschneidende OP am linken Ohr
Bedenkzeit bis Januar ´98. Er versicherte mir aber, dass ich gute
Chancen für eine Hörnerverhaltende Operation habe, da der
Tumor "nur" seitlich das Objekt betrifft.
Also ca 8 Wochen Bedenk- und Verschnaufzeit hatte ich und konnte mich
auf die drohende Ertaubung einstellen. Mir war es wichtiger von den
Tumor befreit zuwerden. Der gänzliche Hörverlust kam an
zweiter Stelle.
Unsere Familie wurde von einem schweren Schicksalsschlag
heimgesucht und ich musste meine Ansprüche, was Sabine betrifft
runterschrauben. Eigentlich ging es mir ja recht gut und ich hatte mich
an vieles, auch Bequemes gewöhnt. Weihnachten / Neujahr war Uwe
gut versorgt und untergebracht. Meine Neurologin gab mir die
Zuversicht, dass ich in Lübeck die mir bis dato besten Chancen
für die Zukunft sehe. Sie drückte mir beide Daumen und ab
ging es wieder mit der Taxe nach HL (Hansestadt Lübeck).
18. Januar 1998
An diesen Tag traf ich in der Neurochirurgischen Uniklinik zu
Lübeck auf Station 14A ein . Im Gepäck viel Zuversicht und
Daumendrücks von meinen Lieben zu Hause in Thüringen. Und ein
2,-DM Radio mit Kopfhörern. Hörtest, MRT & weitere
bekannte Untersuchungen, sowie aufklärende Gespräche mit
verschiedenen Ärzten bereiteten die OP am Kopf vor. Mein Professor
beschrieb mir, wie er vorgehen will und das zeigte schon sein Wissen.
Kurz Umschrieben "Deckel auf, Tumor raus, Deckel zu!"
19. Januar
Das letzte Telefonat an diesen Tag führte ich mit meiner Schwester
Susanne und gab Ihr meinen "guten" Zustand preis. An einen Besuch
konnte ich nicht denken, da es das Wetter und die Entfernung nicht
zugelassen hätten. Sollte ich aber länger als wie die schon
gewohnten 10 Tage hier verbringen, wurde ein Besuch von meiner
großen Schwester Gabriele und Schwager zugesichert.
Am Abend vor den Eingriff lag ich alleine im Zimmer. Ich hörte
schöne Musik (Schlager) und bekam von der Nachtschwester meine LAA
Tablette. Plötzlich wurde ich munter gemacht und der neue Tag war
da. Aus meinen Radio hörte ich nur noch ein knistern, die
Batterien waren wohl schlapp und ich ebenfalls. Meine privaten Sachen
kamen in einem großen weißen Sack mit der Aufschrift
"Patienteneigentum".
20.Januar
Der Tag der alles entscheiden sollte war da. Ich wurde mit guten
Wünschen der Pfleger verabschiedet: "Herr Zufelde, Sie sind doch
schon ein alter OP Hase, das schaffen Sie hier auch." Narkose und ich
war weg. Wie lange weiß ich nicht, wohl Stunden. Auf der
Intensivstation war kein Tagesrythmus bemerkbar. Ich blinzelte und
erkannte ein vor meine Nase gehaltenes Pappschild:
"HÖRNERV ERHALTEN"
Wieder Worte die mich glücklich machten. Wegen der Infusion hatte
ich schon immer in den vergangen Aufwachphasen Probleme. Diesmal
übergab ich mich aber ungeniert und lies die "Brühe" laufen.
Schon wurden Gedanken in mir wach: "Uwe, nun schaffste es mit eigener
Kraft!".
26. Januar
Die letzten Nachuntersuchungen waren abgeschlossen. Mein
Hörvermögen war nun an niederer Stelle angesiedelt und
anfangs musste viel geschrieben werden. Meine Schwester Susanne kam
mich mit Abholen und wurde zu ein Gespräch mit meinen Operateur
eingeladen. Üben, üben und noch mal üben, um meine
Situation zu verbessern.
Herzlichst wurde ich Verabschiedet und mir weiter Hilfe, ob am Mann oder bei Fragen zugesichert.
Januar/Februar
Ich erholte mich schnell bei meiner Mutter in Lützeroda und war
schon Mitte Februar wieder in Apolda.Durch einen Blitzantrag und
entgegenkommen meiner Krankenkasse konnte ich in dieser Zeit schon
über ein Faxgerät und Lichtsignalanlage verfügen. Meine
Schwester Sabine legte sich auf eigene Kosten ebenfalls eine
Faxmaschine an und von nun ab war ich in Apolda auch erreichbar.
Uwi's MOTTE
Eigentlich
gehörte die Teckeldame meiner Mutter. Nachdem ich aber ertaubt
war, musste ich mir einen ersten Halt suchen und wo findet man sowas.
Bei Geschöpfen die einen so nehmen wie man ist - ohne
Berührungsängste oder abwehrende Haltung. MOTTE wurde zum
Ertaubtenführhund umfunktioniert und erleichterte mir den Start in
die neue Welt enorm. Neben der längjährigen "Liebschaft" kam
nun das Reagieren auf die bekannten Verhaltensweisen von MOTTE dazu. So
konnte ich schon recht bald mit MOTTE alleine auf der Straße
spazieren gehen.
MOTTE gehörte auf's Dorf und nicht in die Stadt. 1x pro Woche
waren wir aber garantiert unterwegs in der Botanik rings um Lütze.
Leider musste MOTTE wegen Teckellähmung eingeschläfert
werden. Die Erinnerung kann mir aber keiner nehmen.
Langsam und Sachte ging es mit mir wieder aufwärts.
Gelerntes lernte ich zum 3x und es sollte die das letzte Mal sein. Sah
alles bisschen komisch aus, mir kam es jedoch auf das Endergebnis an.
Mit welchen Tricks und wie ich mich anstellte war dabei egal. Ich
freute mich immer, und das bis heute, wenn ich selbständig was
erledigen kann. Das fing beim Essen sowie Trinken an und hörte zB
beim Autofahren auf.
Letzteres versuchte ich schon Ende Februar wieder zu bewegen.
Auf Anfrage bei Behörden und meinen Autoclub wurde mir
bestätigt, dass ich Auto fahren kann und von meinem Professor,
dass ich fahren soll. Nun lernte ich mit den Augen "hören" , denn
das Resthörvermögen taugte mit Hilfe meines
Hörgerätes nur zur Orientierung. Meine Schwester Sabine war
wieder in der Lage, wichtige Arzttermine mit mir zumachen. Auch
Behördengänge lagen wegen meiner beantragten Rente an.
Durch meine Ertaubung stockte es auch in der Zusammenarbeit
mit der Sondershäuser SHG. Überhaupt merkte ich nun einen
Wandel in meinen Freundeskreis. Die sich lossagten hatte ich schon
vorher aus den Augen verloren. Der größte Teil jedoch blieb
mir bis heute treu und neue, wichtige Freundschaften entstanden
spätestens, als ich die erste Einladung zum Mücketreffen von
NF2 Erkranken bekam.
Erstmalig nur unter Gleichgesinnten, die das gleiche Schicksal
mit der tückischen Krankheit teilen. Unsere "Mückeseite"
nebenan beschreibt das Treffen ja sehr wunderbar. Um meine
Gebärdenkenntnisse aufzufrischen und den Umgang mit meiner
Ertaubtheit besser in den Griff zubekommen , machte ich eine REHA in
Rendsburg mit. Hier konnte ich gute Erfahrung sammeln, was mir im
weiteren Leben von nutzen sein kann. Natürlich gilt auch
hier...Übung macht den Meister.
August 1998
Nun war ich erst mal wieder fertig mit meinen Schulungen und
Vergnügungen. Lübeck rufte zur 4.OP. Diesmal ging es um
meinem rechten Armplexus. Beschwerden hatte ich in den heißen
Sommertagen kaum und somit wurde der Eingriff erträglicher. Am
18.8. war es soweit und ich zog wieder auf Station 14A ein. Die
Schwestern und Ärzte stellten sich gut auf meine Hörminderung
ein und nahmen sich auch Zeit. Bisschen hatte ich schon vorgesorgt, so
war ein Schild am Bett und ein Vermerkt auf den Deckblatt meiner
Krankenakte.
Aus der Narkose erwacht, war mein erster Griff zum rechten
Arm. Er war dran geblieben. Nur merkte ich ein neues Gefühl und
Lähmung in meiner rechten Hand. Der Tumor konnte nicht restlos
entfernt werden, da einer Amputation gleich gekommen wäre und das
wollten wir beide nicht, mein Arzt und ich.
Mit den neuen Handicap konnte ich anfangs nicht gut leben. Deshalb kam
ich 3 Wochen in einer Thüringer REHA Klinik auf eigenen Wunsch
unter. Hier war es möglich, dass ich wieder Besuche von meiner
Familie erfahren konnte.
Da ich früher schon bei vielen Sachen Linksanwendung
durchführte, kam ich schnell dahinter, wie ich am besten meine
gesunde Hand einsetze. Jedoch musste ich meine rechte Hand ebenfalls
auf trapp halten, denn was der Körper nicht mehr braucht will er
loswerden. Besonders in den Feinheiten ,Rasieren zum Beispiel zahlte
ich viel Lehrgeld. Um so stolzer wurde ich, wenn mir was mit Links und
wieder mit Rechts gelang.
So ist es bis heute geblieben und eine neuerliche Operation
ist nicht von Nöten. Mein Professor ist nun in Münster
tätig und betreut mich in Fragen und Auswertungen meiner
jährlichen Untersuchung, als wen die Eingriffe gestern gewesen
wären. Das macht mich sehr froh und glücklich.
Nun gibt es auch eine Zeit nach meinen Operationen. Bis heute
waren wie schon erwähnt keine mehr nötig. Meine Ärzte in
Jena, Apolda und Münster unterstützten mich sehr. Alle Last
konnten Sie aber nicht abnehmen und so war ich gefragt ein eigenes
Konzept zu entwickeln.
Durch mein Auto war ich beweglich und absolvierte mein
wöchentliches Programm mit besuchen bei meiner Familie. In Apolda
selbst konnte ich neben meiner Tochter auf eine ganz liebe Familie
zurückgreifen. Da beide Rentner kamen wir oft raus in das
schöne Thüringer Land.
Neben „Mücke“, waren persönliche private
Treffs mit meinen Freunden sehr wichtig. So lernte ich ebenfalls
Deutschland in allen Himmelsrichtungen kennen. Auch das Internet bot
sich ab 2000 an und ich machte mich im Selbststudium fit dafür. Da
taten sich weitere Felder auf, wo ich meine viele freie Zeit gut nutzen
konnte.
Etwas blieb leider oft auf der Strecke: Gebärden konnte
außer meinen „Mückefreunden“ und meinen beiden
Schwestern Sabine und Susanne keiner. Das störte mich oft.
Höhepunkte waren bis dahin ua
2001 „Erste NF 2 REHA in Bad Grönenbach“
2002 Meine erste eigene Homepage kurz vor Weihnachten.
2003 Neugründung der Thüringer SHG für Neurofibromatose
„Zweite NF2 REHA“ wieder in Bad Grönenbach.
Jährliche Teilnahme an den Sommertreffen für NF2 Betroffene.
2006 Gründung der NF SHG in Vorarlberg
2010 "Dritte NF2 REHA in Bad Grönenbach"
Am 4. September 2004 hieß es Abschied nehmen von
Thüringen. Die Freundschaften sind erhalten geblieben bzw sogar
noch ausgebaut. Nun mußte ich mir, bis auf Münster neue
Ärzte hier vor Ort in Bregenz suchen, die sich an die Krankheit
heran wagten. Bis auf das Fachgebiet Neurologie hatte ich gleich bei
der ersten Vorstellung den Riecher, dass „meine“ neuen
Ärzte Interesse zeigen. Seit Mai 'o7 nun endlich auch eine
Neurologin die mich ernst nimmt. Die Kontrollen sind in etwa gleich
geblieben, was die Abstände angeht. Manche sogar intensiver als
wie aus Deutschland gewohnt.
Nun kam ich auch hier in Vorarlberg auf die Idee eine SHG
für Neurofibromatose zu gründen. 2006 im Januar war es dann
soweit. Wir sind nur eine kleine Gruppe von 5 Betroffenen. Aber es
macht trotzdem Freude. Seit wir nun, Regina und ich alleine wohnen ist
wieder eine neue Situation für mich eingetreten und ich muss mich
erstmal an die Ruhe gewöhnen.
Vielen Dank für Deine Zeit die Du hier verbracht hast.
Herzlichst Uwe Zufelde
NEUSTE ENTWICKLUNG
In Gedanken...
Gewöhntes abgewöhnen und sich an Neues Gewöhnen.
Damit wie bisher zurecht kommen und das Beste daraus machen.
So könnte ich die letzten 15 Jahre beschreiben. Und es macht mich stolz, wenn Vieles ohne fremde Hilfe mir gelingen tut.
Das Umfeld, ob hier in Bregenz oder der Kontakt in die alte Heimat zur Familie und Freunden ist die Basis, die mir Kraft und Hoffnung für die Zukunft gibt.
Dankeschön das es Euch gibt.
Euer uwi
Mein Gehwagen für längere Strecken oder für Tage, wo mein Gleichgewicht mich im Stich lassen tut.
Therapie mit dem FACE FORMER ist seit heute (11-10) beendet laut Plan. Mache jedoch zwecks Erhaltung freiwillig 1x am Tag die Übung.
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5. OP "nervus ischiadicus"
Am 21.10.2010 fand in der Plastischen Neurochirurgie am LKH Feldkirch/Österreich meine bislang 5. Operation statt.
An meinem Beinnerv, siehe Zeichnung, wurde ein Tumor entfernt. Dauer der OP ca 90min, wobei ich 3 Stunden am Stück ohne Macht war.
Ergebnis der Operation:
Wundverheilung läuft zufriedenstellend.
Schmerzen sind weiterhin vorhanden, da der seit ca 6 Jahren bemerkbar geschädigte Nerv sich erholen muss.
Fazit:
Auch wenn ich nicht sofort Schmerzfrei bin, fühle ich doch eine gewisse Erleichterung. Das Laufen funktioniert täglich besser.
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Narbe am 6.11. = 15 Tage nach dem Eingriff.
Als ich mich in Rankweil wegen meiner Krankheit im April 2010 checken lies, kam ich wegen verschiedener Untersuchung auch mit den LKH Feldkirch in Kontakt. Da meine Bein OP an der Plastischen Chirurgie geplant wurde, bekam ich auch Infos über Schönheitsverbesserungen. Ich wurde deshalb im Fotolabor abgelichtet und die Möglichkeiten der Gesichtskorrektur besprochen. Neun Monate nach meine OP an den linken Oberschenkel war es dann soweit und ich wurde am 8.7. an der Unterlippe operiert.
Mit den Ergebnis war ich schon kurz nach den Eingriff zufrieden, da ich erstmal wieder im Sitzen bzw Stehen, ohne Kraftanstrengung meinen Mund schließen konnte. Das mag zwar wenig sein, aber große Wirkung zB beim Essen, Umgang mit Trinkhalm und Verbesserung in der Aussprache. Letzteres wird sich bei der nächsten Sitzung in der Logopädie erweisen müssen.
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