DDR

31 Jahre und 329 Tage war die Deutsche Demokratische Republik Uwi's Heimat.

Was habe ich am Donnerstag den 9.11.1989 gemacht? (Mauerfall)
Kann mich genau daran erinnern:
Nach getaner Arbeit habe ich meine Tochter aus der KITA geholt und wir haben meinen 31. Geburtstag gefeiert. Meine damalige Frau war zu diesen Zeitpunkt zu Besuch bei Ihrer Tante im Westen. Als Familie haben wir ca 14 Tage später in Mellrichstadt / Bayern das erste mal Westdeutschland besucht und ich den Gehweg vorm Rathaus spontan geküsst.

Da ich bis heute diese Zeit in guter Erinnerung habe, notierte ich es auf: "Meine Geschichten 1958 bis 1985" .

Beweise, also Bilder, Dokumente konnte ich teilweise durch die Wirren der (Umzugs)Zeiten retten. Anderes voreilig entsorgt, wo ich heute oft Nachtrauern tue.

Für uns auf den Dorfe, war das Leben einfacher als in der Stadt. Wir waren über Fleisch (Wildbret, Enten, Gänse, Hühner, Hausschlachtung), Gemüse , Obst (Äpfel, Himbeeren) gute Selbstversorger, was natürlich viel Arbeit machte. Teilweise ruhiger wurde es zu den Wintermonaten, wenn nicht grad Mutter Dienst im Rinderstall am Wochenende hatte. Ab 1985 lernte ich mit Apolda auch das Stadtleben kenne, mit seinen Schlangestehen und dicker Luft.

Politisch war, ich bis auf die Jugendorganisationen und der Armeezeit nicht tätig. Unser Vater erzog uns recht offen und Westfernsehen kein Problem. Den Drang ,mal "rüber" zu dürfen hatten wir dadurch wenig, auch weil keine Verwanden im anderen Teil Deutschlands vorhanden waren.
Ersatz bisschen die Luft der großen Welt zu schnuppern, verschaffte ich mir zu den beiden jährlichen Leipziger Messen, verbunden mit den Einkauf von Weihnachtsgeschenken. Passend mein Gedicht dazu:

Weihnachten in der DDR
oder
Der Besuch zur Leipziger Messe

Mensch Junge:"Wo hasten Die her?"
Freut sich mene Mutter sehr.
Es war ne Schrankuhr mit Battrie,
sone tolle sahse noch nie.

Och mein Vater war ganz stolz,
weilse war aus purem Holz.
Mene Oma ne schine Schürze,
mit großen Taschen für ihre Gewürze.

Ne LB von den "Bää Gääs",
meine große Schwester droff ganz hees.
Noch ne lange Spielplatte,
mit änglischen Text aus Poln ich hatte.

Die bekam meine nächste Schwester,
die Jungs, Filzstifte zum Schulsemester.
Natirlich aus der BRD,
weil de Farben so schee.

Leere Musikkassetten aus Ungarn,
meene kleensten Schwestern mich umarm.
Kalender von der Jachd un Dackel,
gabs fürn Vater, ich nicht lange fackel.

Büchsenobst aus Griechenland,
schnell en Salat wurd per Hand.
Spansche Appelsinen offen Tisch,
mit boor Kernen, trotzdem frisch.

Alles zusammen geschleppt übers Johr,
ich x-mol in Leipzsch war.
Zur Messe den Wolf gelofen,
weils alles gab offen Hofen.

Habs gerne gemacht,
un so manchen Westbeitel mitjebracht.
Versteckt von Friling bissen Winter nein,
"Ach kann Weihnachten schine sein".

© In thüringisch von Uwi


Jena mit "Keksrolle" und Weimar

Obwohl ich im Bezirk Gera und später im Bezirk Erfurt lebte, war:"Wo kommst'n her?" "Ich aus Thüringen!"
Und erst danach die Ortsangabe immer die Antwort.

Paar Dokumente, die ich retten konnte!


Impfausweis / Personalausweis (gelöchert = unbrauchbar)
Ausweis für Arbeit- und Sozialversicherung (60 Mark im Monat)

MINOLPIROL / Reisepass (nie benützt) / FDGB MitglBuch / Schwimmstufe II

DIES & DAS


Ausschnitt aus der Erfurter SED Presse vom 1.11.'89


FC CarlZeiss Jena


18 Briefmarken, für jeden gedienten Monat eine. Mein EK (Entlassungskandidat)Brief.
Inhalt: EK Halstuch / Freibrief / Heimatpost / ua

Bis heute begegnet mich die DDR im Alltag. Bierflasche wird mit "Ökonomischen Hebel" aus Honnis Zeiten geöffnet. Zeit für meine Face Former Übungen lese ich auf den letzten in Apolda produzierten Quarzwecker ab. Unsere Aquarien pflege ich weiterhin nach den Buch "Das Süßwasser Aquarium" von Hans Frey. Die Druckertintennachfüllstation befindet sich in einer Schachtel vom AKA ELECTRIC Heiß Luftdusche 7, zu deutsch nen Fön. Schallplatten liegen im Keller gut verpackt und bestimmt noch so manche andere Sachen. Geschirr aus Kahla benutzen wir fast täglich. Ab und zu findet sich sogar ein Handtuch und Taschentücher aus volkseigener Produktion.

Bei unseren Besuchen in Thüringen gibt es oft noch auf Jahrmärkten, Stände mit weiter produzierten Kosumgütern aus der ehemaligen DDR. Aber eines haben sie nicht mehr, den legendären Aufdruck "EVP" (Einheitlicher Verbraucher Preis), der von Rostock bis Suhl gleich war.



© Regina Pressl / Uwe Zufelde
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